Chinesisches Neujahrsfest Neuss – 28-jan-2023

Den „Japantag“ von Düsseldorf, den kennt jeder, denn der kommt regelmässig im Fernsehen, und zwar mit wunderschönen Bildern vom Japan-Feuerwerk, original aus Japan und von Spezialisten aus Japan aufgebaut.

Japantag 2016

Japantag Düsseldorf

Wikipedia DE – https://de.wikipedia.org/wiki/Japan-Tag

homepage – https://www.japantag-duesseldorf-nrw.de/

Es hat sich aber noch gar nicht überall herumgesprochen, daß in Duesseldorf auch eine CHINESISCHE GEMEINSCHAFT existiert mit einem Generalkonsulat und einem eigenen „chinesischen Kulturinstitut“ – und einem „China Kompetenzzentrum“ (für die Wirtschaft).

Konfuzius-Institut Düsseldorf

https://www.konfuzius-duesseldorf.de/

China Kompetenzzentrum Düsseldorf

https://www.china-goes-dus.de/index.html

Noch viel weniger ist allgemein bekannt, daß gleich „nebenan“ in Neuss mehrere chinesische Einrichtungen sind, zum Beispiel ein chinesischer Supermarkt und eine Deutsch-Chinesische Schule.

Und NEUSS hat NOCH WAS „chinesisches“!

NEUSS leistet sich den LUXUS eines CHINESISCHEN NEUJAHRSFESTES im städtischen Kultur-Repräsentations-Haus ROMANEUM.

NEUSS, ROMANEUM – CHINESISCHES NEUJAHRSFEST 2022 – DRACHENTANZ

Ja, so, das mag ja allles FURCHTBAR SPANNEND und EXOTISCH sein – aber warum schreibt dieser Schreiber ausgerechnet über das – 6. – chinesische Neujahrsfest von Samstag 28.01.2023 in NEUSS?

Well, die Sache ist die: Nachdem meine Mutter die Jahre 1939-1945 überlebt hatte, kam sie auf die Idee und lebte fortan mit einem WASCHECHTEN CHINESEN zusammen.

Das Problem ist: Wo kriegt man als Frau so schnell einen Chinesen her? Die Antwort ist: Das war damals in BREMEN, und da kamen schon damals Schiffe aus der ganzen Welt an!

Nachdem das nun ausreichend geklärt ist, kommen wir zum nächsten Punkt, warum ich als SOHN einer solchen Mutter mit „asiatischem Geschmack“ nun ausgerechnet das Neusser CHINESISCHE NEUJAHRSFEST besuchen sollte? Auch das hat einen einfachen Grund: Ich interessiere mich schon seit meiner Jugend besonders für chinesischen TAOISMUS, habe aber mit dem US-amerikanischen TAO-HYPE – siehe Alan Watts, J.C.Cooper usw. – der 1968-iger Generation NICHTS zu tun, denn ich hatte ANDERE BÜCHER über chinesische Themen, zum Beispiel von Richard Wilhelm! Ich hatte sogar 2000/2001 einen CHINESISCHEN Nachhilfeschüler (aus Taiwan – von der „Pure Land School of Buddhism“ des „Amitabha Sutra“) im Fach Latein unterrichtet– der auch seine LATINUM-Prüfung am Quirinus-Gymnasium zu Neuss brav geschafft hat!

Es ist klar, was jetzt passierte: ICH ging eben – tririltrira – zum Neusser „chinesischen Neujahrsfest“ 2023 – und konnte dort auch die Schirmherren sehen, den chinesischen Generalkonsul, Herrn DU Chunguo, und den Neusser Bürgermeister, Herrn Reiner Breuer. Aber wen ich nicht sehen konnte, das waren meine üblichen Bekannten aus der „höheren Neusser Kultur-Szene“.

Die wenigen Neusser, die gekommen waren, wurden allerdings mit einem GUTEN PROGRAMM erstens „entertaint“, zweitens „belohnt“ und drittens, konnte ich sogar noch was LERNEN!

Okay, von diesem Programm waren chinesische Kalligraphie, chinesisches Jugend-Tischtennis, chinesisches Kochen, chinesischer Sprachunterricht jetzt nicht mein brennend heisses Interesse, auch nicht das Kinder-Ballett der Deutsch-Chinesischen Schule. ABER die KUNG-FU Demonstration des Meisters Yang (in der Tradition des Schaolin-Klosters?) – mit vielen deutschen Teilnehmern – fand ich beachtlich:

Da merkte man, was TRAINING bewirken kann!

DEUTSCH-CHINESISCHE SCHULE NEUSS

Kinderballett 2022

 

Träger Verein: Deutsch-chinesische Gesellschaft in Neuss – https://dcg-neuss.de/ —  (Mitglied Verband Deutscher China Gesellschaften DCG)

Jedoch wirklich interessant wurde FÜR MICH dieses chinesische Neujahrsfest 2023 durch  a) MUSIKALISCHE HIGHLIGHTS – man kann das leider nicth weniger dramatisch sagen –  und b) durch einen wissenschaftlichen Vortrag.

Der Reihe nach:

Der „Deutsch-Chinesische Rheinchor“ – beheimatet  in Köln – präsentierte sich als GEMIsCHTER CHOR mit Männer- und Frauenstimmen und als reiner Frauenchor (speziell für traditionelle chinesische Musiktitel). Dieser Chor hat eine PROFESSIONELLE Dirigentin, die eine vollständige chinesische und europäische Gesangsausbildung besitzt – und deren Stimme und Vortrag hat mich SCHWER BEEINDRUCKT.

Deutsch-Chinesischer Rheinchor – Köln, Bonn

http://dcmk-ev.de/01_chor.html

Noch viel mehr BEEINDRUCKT aber hat mich ein junger BASSO PROFONDO mit tatsächlich RAUMFÜLLENDEM Stimmvolumen, dem man glatt eine professionelle Musiklaufbahn zutrauen würde. Leider habe ich den Namen nicht mitbekommen und auch den Musiktitel nicht erfasst; es war aber ein SOLO-Stück für Bass mit Klavierbegleitung.

Eine Augenfreude war dann auch die Einzelvorstellung von Solo-Tänzen aus “West-China”, wo meine Geographie-Kenntnisse leider wenig differenziert sind.

Und damit bin ich auch schon bei dem Gastvotrag des Dr. Cord Eberspächer von der Abteilung Sinologie an der Universität Bonn zum Thema „Chinesische Geschichte II: Vergangenheit und Zukunft.“ Wie soll ich möglichst kurz sagen: Da habe ich für meine bisherigen und eher unsystematischen China-Studien ein KOSTENLOSES UPDATE erhalten über LANGFRISTIGE ZUSAMMENHÄNGE des 19. und 20. Jahrhunderts, die mir SO vorher noch nicht aufgefallen waren, die ich SO vorher noch gar nicht verstanden hatte. Ich hatte zum Beispiel die Rolle des chinesischen REFORM-Projekts unter der Bezeichnung „Selbststärkung“ mit europäischen Instruktoren ab ungefähr 1860 noch gar nicht gewusst.

Dieser Vortrag schloß mit einem Photo von einer „neo-konfuzianischen Zeremonie“ – hübsch mit alten konfuziansichen Talaren und mit bühnenwirksamem Grossaufgebot von „Komparsen“, wozu der vortragende Dozent aber einen kleinen, leisen Zweifel anfügte, was eigentlich die INHALTLICHE SUBSTANZ dieser Veranstaltung gewesen sein könnte.

Etwas anders gesagt: Soweit ich verstehen konnte, scheint die aktuelle chinesische – an sich (stalinistisch)-kommunistische, wie Dr. Cord Eberspächer erläuterte  – Staatsmacht ein gewisses „ideologisches VAKKUUM“ zu „spüren“, welches mit HISTORISIERENDEN RÜCKGRIFFEN – zum Beispiel auf Konfuzianismus – aufgefüllt werden soll.

Es ist ein Nebeneffekt der Akzentuierung von Konfuzianismus-Revival direkt klar: Wenn man Konfuzius BETONT, dann braucht man die VIELEN ANDEREN ANGEBOTE aus der chinesischen Geschichte gar nicht zu erwähnen, und zwar ganz besonder nicht die BUDDHISTISCHEN Ansätze und dann auch die TAOISTISCHEN Ansätze.

Wie soll ich kurz sagen: Ich war kürzlich sehr erstaunt, daß es heute Bücher gibt, in denen behauptet wird von westlichen Beobachtern, daß ALTE CHINESISCHE SPIRITUELLE Traditionen keineswegs AUSGEROTTET sind, wie man eigentlich NACH der maoistischen „Kulturrevolution“ vermuten könnte, sondern ÜBERLEBT haben – wie aktuell minimal auch immer. Mein persönlicher aktueller „Lieblings-Taoist“ ist zum Beispiel Master Wang Liping von der „Drachentorschule“ vom Laoschan-Gebirge in Schaodong, den man auch irgendwo in youtube finden kann. Aber es gibt auch immer noch – TROTZ MAO und Kulturrevolution! – chinesische Einsiedler der verschiedensten Richtungen!

Damit bin ich hier eigentlich schon FERTIG. Wegen des Vortrags habe ich von dem „Drachentanz“, der eigentlich zum Neujahrsfest gehört,  nicht mehr viel gesehen.

Aber dieser Nachmittag war durchaus „worthwhile meetings“.

San Nin Faai Lok –  Frohes neues Jahr —- Gung Hei Faat Coi – Glückwünsche + Reichtum — Sun Tai Gin Hong – Gesund + fit bleiben

Ich konnte allerdings nicht bis ganz bis zum Schluß bleiben, weil ich noch weiter mußte zum Abendgottesdienst der russisch-orthodoxen Kirche in Neuss. Dort – in dieser Kirche der „russsichen Tradition“ – befindet sich eine Ikone des Neu-Heiligen Metropoliten Johannes von San Francisco und Schanghai“ (Maximovich, ukrainsich-serbisch). Dieser Bischof hatte in seiner Zeit in China um 1935 herum fast immer kaputte Schuhe und es trotzdem geschafft ungefähr 2000 Waisenkinder und 3000 Erwachsene aus den chinesichen Wirren nach den Philippinen zu retten.

Aber WARUM erwähne ich das und warum HIER?

Well, die Sache ist die: Der Neu-Heilige Metropolit Johannes von San Francisco und Schanghai war bis 1956 mit Residenz in Paris der / ein ZUSTÄNDIGE/R BISCHOF für Neuss und Düsseldorf!

Und genau DARUM erzähle ich das alles:

MAN KOMMT NICHT VON ALLEINE DRAUF, daß meine Mutter mit einem waschechten Chinesen zusammengelebt hat.

Man kommt da nicht von selbst drauf, daß es einen orthodoxen Bischof gab, der in CHINA wirkte und danach für unter anderem Neuss und Düsseldorf „zuständig“ war.

Man kommt nicht drauf, daß ich einen chinesischen Latein-Nachhilfeschüler hatte.

 

Neu-Heiliger (ab 1994) Metropolit Johannes (Maximovich) von Schanghai und San Francisco – ca, 1947-1956 zuständig für Neuss und Düsseldorf

Und aus diesem Grunde sehe ich eine ANDERE OPTION für die GEISTIGE ENTWICKLUNG CHINAS:

In einem gewissen Sinne ist nämlich China vorbereitet für CHRISTENTUM, keineswegs bloß das Christentum protestantischer Gelehrter und Missionare oder für das katholische Christentum der anderen ehemaligen Kolonialmächte (etwa in der Tradition des (Johann) Adam Schall von Bell (SJ), an den heute noch erinnert wird in Köln) , sondern eben auch für das ORTHODOXE Christentum und zwar speziell der russischen Traditionen.

Das ist eben die HOCHAKTUELLE und BEÄNGSTIGENDE Frage für UNSERE GEGENWART, nicht wie sie GETRÄUMT wird, sondern wie sie HARDCOREMÄSSIG tatsächlich ist:

Kann IRGENDEINE Art von „spiritueller Entwicklung“ ein ausreichendes GEGENGEWICHT schaffen gegen „sinnfreien Materialismus verbunden mit heutigen technologischen Vernichtungspotentialen“?

Die Befürchtung für China ist: Ein oberflächlicher Rückgriff auf Konfuzianismus könnte eventuell nicht ausreichen – ganz abgesehen davon, daß ich mich schon etwas wundere, wie der CHINESISCHE Kommunismus bis heute ÜBERLEBT hat, wo doch Kommunismus fast überall woanders nicht mehr an der Oberfläche tonangebend ist?!

Und diesen Schluß habe ich unter anderem deshalb gewählt, weil das LEIDEN DES TIBETISCHEN VOLKES, das vom aktuellen chinesischen System auferlegt wurde, welches China-System letztlich auf einem IMPORT europäischer Ideen beruht, zum Himmel schreit – aber offiziell nicht erwähnt werden darf, aus „diplomatischen“ Gründen, wie es „offiziell“ heisst.

Aber vielleicht ÜBERTREIBE ich?

Vielleicht verdeutlicht HISTORISCHE WAHRHEIT besser das Beispiel der Statue des Hemiunu, des Oberaufsehers der könglichen Bibliotheken, der 4. Dynastie des pharaonischen Ägypten: Diese Statue „saß“ zuerst im Grab des Hemiunu auf dem Giza-Plateau in Ägypten, jetzt sitzt sie aktuell im Römer-Pelizäus-Museum in Hildesheim, wo ich sie Juni-August 2022 mit dem 9-Euro-Ticket noch einmal besuchte. Kurzum: Hemiunu sitzt schon seit Jahrtausenden!

Und wo Hemiunu  sitzen wird, sollte der Planet nach einem eventuellen dritten Weltkrieg noch vorhanden sein, das weiss kein Mensch!

Der Hemiunu selbst aber schweigt schon seit Jahrtausenden und sagt keinen Piep und keinen Mucks zu unseren Erdenwurm-Dramen.

 

Statue des Hemiunu, 4. Dynastie Altes Reich, Ägypten  aktuell: Roemer-Pelizaeus-Museum, Hildesheim

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*11.06.1953, Bremen, Germany - long years in Neuss/Germany